America – home of the brave? *

The Language of the Present and Future – ein Gespräch mit Laurie Anderson

Muss das Bild, das Amerika gern von sich selbst entwirft – das Land der Tapferen, die in die Welt hinaus ziehen um Freiheit und Demokratie zu verteidigen – und dabei das Leben Ihrer tapferen Soldaten opfern – jetzt komplett umgedeutet werden?
Das Land der Tapferen, die bereit sind ihrem gewählten, aber irren Präsidenten entgegen zu treten – ihn und seine Politik tapfer aushalten – bis sich ein legaler Weg findet, diesen Spuk zu beenden?
Ja, so scheint es, wenn man den Künstler*innen und Intellektuellen des Landes zuhört, ihren Ängsten und Sorgen, die kaum größer sein könnten – weil die akute Bedrohung von der eigenen Regierung ausgeht.
Die amerikanische Performance-Künstlerin und Musikerin Laurie Anderson, als Stargast am Abschlusswochenende auf der ‚Transmediale‘, dem Berliner Festival zur Erforschung innovativer Potenziale elektronischer und digitaler Kulturen, äußerte sich zur aktuellen Lage in den USA.
Das HKW und die Transmediale
Das Auditorium des wohl schönsten Veranstaltungsortes den Berlin zu bieten hat, der eleganten 50er Jahre Kongresshalle ‚Haus der Kulturen der Welt‘ (auch ‚die schwangere Auster‘ genannt)
ist voll besetzt an diesem Sonntagnachmittag, als die legendäre amerikanische Performance-Künstlerin und Avantgarde-Musikerin Laurie Anderson zum Gespräch geladen ist.
Mit dem Kurator Kristoffer Gansing spricht sie über ihre Projekte, die sie in den vergangenen 30 Jahren auf der Transmediale gezeigt hat. Ein Jubiläums-Talk.
Der bewegendste Moment kommt aber, als die Künstlerin, die schon in den 70er und 80er Jahren mit elektronischen Medien gearbeitet hat, und als eine der ganz wenigen die Verbindung von Kunstperformance und populärer Musikproduktion geschafft hat, über ihre aktuelle Situation
im Trump-Land spricht.
Die Macht der Sprache
Mit ihrem unverwechselbar melodischen Sprachduktus und ihrer einfühlsamen Stimme erzählt sie uns von ihren täglichen Schmerzen. Es sei die Sprache, sagt sie. Seine Äußerungen „er könne mit einer Frau machen was er wolle“, oder „wenn ihm Jemand in die Quere kommt, dann würde er ihn einfach abschießen – peng – dann sei er weg“ sind wie Fausthiebe in die Magengrube, wie Schläge ins Gesicht eines gesunden Menschenverstandes. Und sie macht es uns vor: jeder Satz ein Schlag ins Gesicht, in die Magengrube.
Es macht krank. Sie ist krank davon geworden, und ihre Freunde macht es auch krank.
Alle Menschen um sie herum, die vernünftig, logisch und menschlich denken und fühlen können, macht es krank. Es erzeugt ein körperliches Leiden in dieser Trump-Welt leben zu müssen.
Das berührt, und man empfindet Mitleid mit dieser Situation. Dann noch so eine Äußerung die wirklich berührt:
Es wäre früher in Amerika üblich gewesen über die Deutschen zu lächeln, dass sie so einen Wahnsinnigen wie Hitler an die Macht gewählt haben. Das sei arrogant gewesen, weil sie jetzt erleben, wie es gehen kann, dass ein Wahnsinniger ganz legal zum Präsident gewählt wird.
Einsicht, die zu spät kommt möchte man sagen, und wiederum arrogant lächeln.
Dabei wissen wir doch: das kann jederzeit wieder passieren, wenn Populisten das Ruder überlassen wird.
It’s a nightmare!
Und dann noch so ein Eingeständnis das verblüfft und entzückt zugleich:
Angesprochen auf die Zukunft der Kunst des Digitalen und ihrer Bedeutung sagt die Medienkünstlerin: ‚It’s a nightmare – to believe that everything important should be on screen!‘
Sie bevorzugt reale Dinge: eine echte Blume ist ihr wesentlich lieber als eine auf dem Bildschirm, ein Bild zum Anfassen, statt ein kurzes Aufflimmern und die Allgegenwart von Bildschirmen.
Die Technik ist nur ein Mittel, ein Instrument auf dem man spielen kann, dass aber nicht die Realität ersetzen sollte. Der screen als neuer Fetisch sei ein wahrer Albtraum!

Laurie, du bist wunderbar!

Wenn du es in deiner Heimat nicht mehr aushältst, bist du herzlich willkommen bei uns in Hell-Dunkel-Deutschland! Wir brauchen mutige und kluge Künstlerinnen wie dich!

Links:

https://2017.transmediale.de/festival/2017/program/closing-weekend

Going Places with Stories – A talk with Laurie Anderson
Laurie Anderson Kristoffer Gansing
Laurie Anderson performing „The Language of the Future“ at transmediale 2017 ever elusive

ever elusive
30 years of transmediale
alien matter
transmediale exhibition
2 Feb – 5 Mar 2017
HKW and various venues
Haus der Kulturen der Welt, Berlin

Konzert-Film von Laurie Anderson:
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Home_of_the_Brave_(1986_film)

Kriegsfilm:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Home_of_the_Brave_(2006)

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Ein Ort der Kontemplation und der Teekultur

Mitten in der Hamburger Innenstadt einen Ort zu finden, an dem es möglich ist konzentriert eine Stunde lang Zeitung zu lesen, dabei zu entspannen, seine Gedanken auf anspruchsvolle Themen zu lenken und nicht von fettigen Gerüchen aus offenen Küchen belästigt zu werden – das ist nicht so einfach.

Aber es gibt einen. Eine Entdeckung, eine Art Geheimtipp für mich:

Der Teesalon des Teegeschäfts ‚TeeGschwendner‘

An der äußerst belebten Ecke Mönckebergstr./ Bergstr. ist im Erdgeschoss das Traditionsgeschäft für Teehandel, und im 1.Stock der neu eröffnete großzügige Teesalon.

Es gibt eine Riesenauswahl an exotischen Teesorten aus dem geschäft, die hier konsumiert werden können, und kleine Speisen süß und salzig, zum Essen.

In einer äußerst angenehm ruhigen Atmosphäre, und von einem sehr sonnigen Fensterplatz mit Blick auf die belebte Mönckebergstraße, kann hier der Grüntee aus kleinen gußeisernen Kännchen genossen werden, dazu britische Scones mit Cream, oder eine kleine Gemüsequiche mit Salat verspeist werden.

Der Clou: es wird keine Musik gespielt!

Und das, obwohl hier zeitgenössische Kommunikationsmittel wie Computer und Smartphone durchaus erlaubt sind, und ein WLan mit Kennwort zur Verfügung steht.

sehr erfreulich!

Das Buchmessenschiasma

Skeptische Tagesreflektionen unserer Korrespondentin Annette von Dark (AvD) von der Frankfurter Buchmesse 2015

in der Tradition professioneller Flaneure und Nörgler von Baudelaire über Bernhard bis Brinkmann:

Buchmessenschiasma

Tag 1

es rauschen die Befindlichkeiten in Zuständigkeiten durch Worte gekleistert kommensurabel gemacht.

dasGeschäftmitdenWortendieinKoffernverpacktundinSchränkenverstautaufWissensgebieteverteilt amTropfkategoriesierterEtatsvonpolitischenEntscheidungenundModenwillkürlichamLebenerhalten,

machtgeschäftigeundhungrigeLeiberundGeistersinnstiftendaustauschbereit.

Waszu verstehenist dadie Wohlstandsparametererhaltenwerdenwollen – diedaVersicherungenfüralleLebenslagen die KreditefürEigentumswohnungen undodernagelneueAutosWaschmaschinenEinbauküchenLignerosetsofas(90erLifestyleDetail) – sowiedienochlifestyligerenlebensdesignasseccoirs,wieAbenteuerreisenundworkshopsallerSparten…

WenndieChinesendieTraditionsrestaurantsunsereraltenKulturstättenübernehmen: dasGasthausim SteinernenHausamaltenmegatouristischenRömer,vonfleißigbärbeißigengeschäftstüchtigenChinesInnenbewirtschaftet…wasfüreinKuriosumfürdieBewirtschaftungderTraditionen…

Tag 2

dasBuchalsWare-mitdemerklommenwirddieHierarchienderGeschäftsmodelle-DasBuchalsKultObjekt,seinCoverseinContentseinImageseinNimbusalsjahrhundertbewährtesKulturgut(Gutenberg)_alsGrundlagefürGlaubensfragen(Bibel,Koran,Tora, Edda…) _KulturengeborenausderWirkungeinesBuches…

DamitlässtsichzeitgenössischerEgoWarenStatuskapitalismusvortrefflichkaschieren–

imGewandedeswahrheitshungrigenBildungsbürgertumlersdemGutmenschensehranverwandt–

darfflaniertundpseudorelevantgefochtenduelliertinszeniertunddiskutiertwerden… dieschönsteDrogeaberistimmernochdasAdrenalinderVerbreitungeinerjedenfürÖffentlichkeitbestimmtenÄußerungselbstbeiaugenfälligerRedundanzundoderGefälligkeitsschreiberei…

Tag 3 …

Tag 4 …

Tag 5 …

Tagesreflexionen von der FBM 2015 – im Eingedenken an RDBrinkmann – dem virtuosen Literaturbetriebshasser und einst liebstem enfant terrible des Selbigen…

auteuse: AvD

Verleihung des Georg Büchner Preises 2015 an Rainald Goetz – die Rede

Anlässlich der Verleihung des Georg Büchner Preises 2015 hielt Rainald Goetz eine Dankesrede an den Auslober –  die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung – 

Ein Kommentar von BvD:

Eine „geile“ Rede! Dank an die Jugend (in uns…)!

Die „Kaputtheit der Ich-Spezialisten“ – was für ein schöner und treffender Ausdruck!

Die Qualitäten der wahren Literatur werden hier benannt:

Langsamkeit, Reservate der Unabhängigkeit, das Abseitige – egal aus welchem Feld es kommt – nicht aufgebend, „nieder mit der Vernunft“, die Verbindung des Politischen mit dem Poetischen auf einer sehr kontemplativen Ebene, ein sich dem schnellen Output und Urteil entziehendes Genre. Ja, das ist Literatur – das KANN Literatur und Ihre gemarterten ProduzentInnen…

Denn eine Marter ist es, den Zwang zum Ausloten der Schrecken der Psyche zu folgen, und am Lebenden aber auch am Ding mit akribischer Neugier zu sezieren, jedes Detail der Seelenregung zu registrieren und es in sprachliche Formen zu bewegen, die so etwas wie Erkenntnis befördern und den Leser an den Text anbinden (ja fesseln – Bondage mit Worten… 🙂

Also, eine „geile Rede“. Will heißen – eine intelligente Rede.

Und das ist selten genug. Dabei wissen wir doch: es gibt kein Richtig und kein Falsch.

Es gibt nur Handlungen mit Amore und ohne Amore.

Und wie kommt es zu Amore? Meistens durch eine gelungene Mélange aus  geistiger Tätigkeit und Fühlen. Oft überwiegt jedoch eines davon – und dann wirds brutal. Reine Ideologie oder reines Gefühl sind ja auch die Feinde des feinsinnigen Sprachgebrauchs. Und den brauchen wir ja um diesen komplexen Kosmos aus Widersprüchlichkeiten auch nur ansatzweise zu erfassen und in ein sensibles Sprachkunstwerk zu überführen.

LAST EXIT AMORE:

Sind nun aber fünf breitbeinig und launig herum stehende junge Männer und ein alter Mercedes mit der Aufschrift „Amore“ ein Sinnbild für AMORE?

Wo sind die Frauen? Ist der Stichwortgeber für das Motto „Amore“, die Wiener Band WANDA deshalb schon feminin, nur weil ihre Namensgeberin WANDA KUCHWALEK, eine stadtbekannte und wild lebende Wiener Zuhälterin mit Alleinstellungsmerkmal war? Auch wenn sie eine sicherlich besondere Frau war, mit  Durchsetzungsvermögen, die sich auf höchst frauenfeindlichem Terrain in einer echten Männerdomäne behauptet hat? Ist das die weibliche Antwort auf den Dreck und die Kaputtheit dieser Welt?

Wollen wir nicht mal lieber hören, was weibliche Denk- und SprachkünstlerInnen über Amore zu sagen haben, nachdem die Männer das literarische Feld nun schon seit Jahrhunderten (Jahrtausenden) besetzt halten, und uns in der Popmusik auch sehr lange dominant vorgesungen haben?

Da liegt der Schwachpunkt in der sonst so „geilen“ Rede von Rainald Goetz, hier verrät sich wohl auch eine zutiefst maskuline Weltsicht, wenn sie die Stimme der Autorinnen, die eigentlich schön und laut zu vernehmen ist, nicht wahrnimmt.

In dem ganzen 5-seitigen Manuskript wird nicht eine Autorin aus dem literarischen Kosmos genannt. Nicht eine einzige Frau wird erwähnt.

Lebt R.G. in einer reinen Männerwelt, oder hört er nur die männlichen Stimmen,   weil er die weiblichen nicht für relevant hält? Es würde nicht verwundern, weil diese Haltung, nur die männlichen Konkurrenten wahrzunehmen, so stark antrainiert ist, dass sie selbst einem Autor, der die gesellschaftlichen Normen komplett in Frage stellt und sich in anderen Formen probiert, in diesem Punkt sehr gewöhnlich agiert.

Also, lieber R.G. – willst du wirklich den ANDEREN Menschen – und die AMORE als wegweisendes Motto – schrubb dir die Augen, und blick neu in die Welt – es gibt großartige mutige Denk- und Sprachkünstlerinnen (Frauen) – die du in deiner nächsten Rede hoffentlich erwähnst.

Davon wollen wir hören!

Ihre BvD

Verleihung des Georg Büchner Preises 2015 an Rainald Goetz – die Rede

Anlässlich der Verleihung des Georg Büchner Preises 2015 hielt Rainald Goetz eine Dankesrede an den Auslober –  die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung – 

Ein Kommentar von BvD:

Eine „geile“ Rede! Dank an die Jugend (in uns…)!

Die „Kaputtheit der Ich-Spezialisten“ – was für ein schöner und treffender Ausdruck!

Die Qualitäten der wahren Literatur werden hier benannt:

Langsamkeit, Reservate der Unabhängigkeit, das Abseitige – egal aus welchem Feld es kommt – nicht aufgebend, „nieder mit der Vernunft“, die Verbindung des Politischen mit dem Poetischen auf einer sehr kontemplativen Ebene, ein sich dem schnellen Output und Urteil entziehendes Genre. Ja, das ist Literatur – das KANN Literatur und Ihre gemarterten ProduzentInnen…

Denn eine Marter ist es, den Zwang zum Ausloten der Schrecken der Psyche zu folgen, und am Lebenden aber auch am Ding mit akribischer Neugier zu sezieren, jedes Detail der Seelenregung zu registrieren und es in sprachliche Formen zu bewegen, die so etwas wie Erkenntnis befördern und den Leser an den Text anbinden (ja fesseln – Bondage mit Worten… 🙂

Also, eine „geile Rede“. Will heißen – eine intelligente Rede.

Und das ist selten genug. Dabei wissen wir doch: es gibt kein Richtig und kein Falsch.

Es gibt nur Handlungen mit Amore und ohne Amore.

Und wie kommt es zu Amore? Meistens durch eine gelungene Mélange aus  geistiger Tätigkeit und Fühlen. Oft überwiegt jedoch eines davon – und dann wirds brutal. Reine Ideologie oder reines Gefühl sind ja auch die Feinde des feinsinnigen Sprachgebrauchs. Und den brauchen wir ja um diesen komplexen Kosmos aus Widersprüchlichkeiten auch nur ansatzweise zu erfassen und in ein sensibles Sprachkunstwerk zu überführen.

LAST EXIT AMORE:

Sind nun aber fünf breitbeinig und launig herum stehende junge Männer und ein alter Mercedes mit der Aufschrift „Amore“ ein Sinnbild für AMORE?

Wo sind die Frauen? Ist der Stichwortgeber für das Motto „Amore“, die Wiener Band WANDA deshalb schon feminin, nur weil ihre Namensgeberin WANDA KUCHWALEK, eine stadtbekannte und wild lebende Wiener Zuhälterin mit Alleinstellungsmerkmal war? Auch wenn sie eine sicherlich besondere Frau war, mit  Durchsetzungsvermögen, die sich auf höchst frauenfeindlichem Terrain in einer echten Männerdomäne behauptet hat? Ist das die weibliche Antwort auf den Dreck und die Kaputtheit dieser Welt?

Wollen wir nicht mal lieber hören, was weibliche Denk- und SprachkünstlerInnen über Amore zu sagen haben, nachdem die Männer das literarische Feld nun schon seit Jahrhunderten (Jahrtausenden) besetzt halten, und uns in der Popmusik auch sehr lange dominant vorgesungen haben?

Da liegt der Schwachpunkt in der sonst so „geilen“ Rede von Rainald Goetz, hier verrät sich wohl auch eine zutiefst maskuline Weltsicht, wenn sie die Stimme der Autorinnen, die eigentlich schön und laut zu vernehmen ist, nicht wahrnimmt.

In dem ganzen 5-seitigen Manuskript wird nicht eine Autorin aus dem literarischen Kosmos genannt. Nicht eine einzige Frau wird erwähnt.

Lebt R.G. in einer reinen Männerwelt, oder hört er nur die männlichen Stimmen,   weil er die weiblichen nicht für relevant hält? Es würde nicht verwundern, weil diese Haltung, nur die männlichen Konkurrenten wahrzunehmen, so stark antrainiert ist, dass sie selbst einem Autor, der die gesellschaftlichen Normen komplett in Frage stellt und sich in anderen Formen probiert, in diesem Punkt sehr gewöhnlich agiert.

Also, lieber R.G. – willst du wirklich den ANDEREN Menschen – und die AMORE als wegweisendes Motto – schrubb dir die Augen, und blick neu in die Welt – es gibt großartige mutige Denk- und Sprachkünstlerinnen (Frauen) – die du in deiner nächsten Rede hoffentlich erwähnst.

Davon wollen wir hören!

Ihre BvD